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So wie man sich's baut, so sitzt man!

Bankverbindungs-ABC abgeschlossen

An den Beruflichen Schulen Kirchhain (BSK) ist das Projekt „Bankverbindungs-ABC“ abgeschlossen: 30 Schülerinnen und Schüler in der Tischlerausbildung und aus Deutschintensivklassen für Geflüchtete hatten sich zusammengetan, um den Schulhof neu zu gestalten. Ihre Planung drehte sich dabei um die zentrale Frage „Wie wollen wir sitzen?“

Bei der Einweihung der neuen Schulhofbänke und Farbgestaltung am 1. November 2018 freute sich Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter der Kreistagsfraktion Marburg-Biedenkopf, über das heimische Projekt, das in vielerlei Hinsicht „grenzüberschreitend“ sei. Petra Schwerdtner sprach für den externen Projektpartner „Deutscher Werkbund“, dem die positive Strahlkraft des Labels ‚Made in Germany‘ zu verdanken ist und Uwe Boucsein von der Sparkasse Marburg-Biedenkopf überreichte einen symbolischen Scheck über 2.000,-€, womit die Sparkasse Marburg-Biedenkopf die Eigenkosten für die Schule übernommen hat.

Weitere Redebeiträge kamen sowohl von Schülern der Tischlerklasse als auch von Schülerinnen und Schülern, die noch im Erwerb der deutschen Sprache sind. Die einen berichteten von gänzlich neuen Erfahrungen, zu denen der „Schock“ zählt, bunte Farben auf die Holzarbeiten zu streichen oder die Herausforderung, Gleichaltrige in der Werkstatt anleiten zu sollen. Die anderen bedankten sich für die „Hilfe mit Hand und Geld“, die „Kontakt mit Deutschen“ und „eine gute Zeit“ ermöglicht hatte: „Wir haben viel Deutsch gelernt, weil wir deutsch sprechen mussten.“ In beiden Gruppen wurde der lohnende Austausch betont, der zum Abschluss durch ein interkulturelles Buffet gekrönt wurde, welches die Schülerinnen und Schüler gezaubert hatten.

Alle Akteure und Gäste waren eingeladen, Sitz- und Kostproben zu nehmen und anhand einer Fotodokumentation auf das Projekt und seine unterschiedlichen Phasen zurückzublicken: Nach einer theoretischen Schulung zu Stilrichtungen und einem Überblick zur Geschichte von Sitzmöbeln, folgte eine Schülerforschung mit Ortsbegehung und Befragung der Schulgemeinde auf dem Schulhof. Im Anschluss wurden Sitzgelegenheiten erdacht, gezeichnet und im Modell angefertigt. Nach dem Vorbild eines Architektenwettbewerbs wählten alle Beteiligten in Jurysitzungen drei Modelle von Sitzbänken aus.

Dass diese dann in drei zweitägigen Workshops auf dem Schulhof gebaut werden konnten, verdanken die BSK dem Förderprogramm „Kulturkoffer“ des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK), der dem Deutschen Werkbund für dieses Projekt eine Förderzusage erteilte. Petra Schwerdtner, die Projektleiterin vom Deutschen Werkbund, konnte als künstlerische Leitung die Designerin Barbara Schork gewinnen, die mit den Schülerinnen und Schülern auch ein eigenes Farbkonzept erarbeitete, das die Gestaltung von Freiflächen auf dem Hof mit einbezog.

Die schulischen Vertreter des Teams waren zum einen die Lehrkräfte Hans-Heinz Staude und Lothar Böttner, die ihre Auszubildenden aus der Tischlerklasse und deren Tandempartner aus den Sprachintensivklassen mit ihrer Expertise und der handwerklichen Infrastruktur der Schule unterstützten. Zum anderen halfen die Klassenleitungen der beiden „InteA“-Klassen (Integration durch Anschluss und Abschluss), Anja Fackert und Jeanette Biba gemeinsam mit den unterrichtenden Fachlehrkräften tatkräftig mit.

Die Einbindung des Projektes in den Schulalltag unterstützten neben dem Schulleiter Frank Heiwig die beiden Abteilungsleiter Jens Etling und Mike Hackenbroich. Aber auch Mitschülerinnen und -schüler engagierten sich: Aus dem Bereich Hauswirtschaft wurden die Projektteilnehmer unter Anleitung der Kolleginnen Hauck und Kraus-Becker mit einem stärkenden Mittagstisch versorgt und im Bereich Gartenbau brachten Schülerinnen und Schüler der Klasse von Marion Brix bunte Blumen in den Beeten am Schulhof zum Blühen.

Bänke- und Wandgestaltung boten auch Gelegenheit für nachhaltige pädagogische Prozesse wie z.B. Diskussionen über Flaggenabbildungen auf dem Schulhof, die tief verwurzelte Haltungen zu nationalen Symbolen berührten und unterschiedliche Erfahrungen thematisierten.

Jeanette Biba